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Keime & Sprossen

Die kleinen Alleskönner…


Jeder kennt die Kresse, aber hast du gewusst, dass du aus fast allen Getreidekörnern, Samen und Hülsenfrüchten Keime ziehen kannst? Noch nicht? – dann lass dich überraschen und begeistern!

Zuallerst was sind denn Keime und Sprossen überhaupt?


Spross = Wenn aus dem Samen ein erster Spross herausragt.

Keimling = Wenn aus dem Spross das erste Keimblatt entsteht.


Du kannst sowohl Spross als auch Keimling essen, probier einfach aus, was dir besser schmeckt.

Welche Samen kannst du keimen/sprossen lassen?

  • Adzuki-Bohnen
  • Alfalfa
  • Bohnen
  • Brokkolisamen
  • Erbsen
  • Gerste
  • Hafer
  • Hirse
  • Klee
  • Kresse
  • Kürbiskerne
  • Leinsamen
  • Linsen
  • Mais
  • Mungbohnen
  • Reis
  • Rettich
  • Roggen Sesam
  • Rucola
  • Sojabohnen
  • Sonnenblumenkerne
  • Weizen
  • uvm

Wofür sind die gut?

Beim Keimen sind Pflanzen in ihrem kräftigsten Stadium. Das beginnende Leben lässt beinahe explosionsartig diverse Nähr- und Pflanzenstoffe als Bausteine des Lebens entstehen. Es werden Millionen von Enzymen in den Zellen aktiviert, die in einem unglaublichen Tempo Eiweiß, Kohlenhydrate, Fettmoleküle und Vitamine für das Wachstum des Keimlings herstellen. Gegenüber dem Ausgangsprodukt nehmen wertvolle Inhaltstoffe während des Keimprozesses stark zu und erreichen die für die Pflanze höchstmögliche Nährstoffdichte.

Beispielsweise decken bereits ein bis zwei Tassen Mungbohnensprossen (die bei uns als Sojasprossen bekannt sind) den täglichen Vitamin- und Mineralstoffbedarf eines Erwachsenen, oder eine Tasse gekeimte Sonnenblumenkerne den Bedarf an ungesättigten Fettsäuren, an Phosphor und an Kupfer. Eine Tasse Sonnenblumensprossen deckt auch die Hälfte des Tagesbedarfs an Eiweiß.

Mungbohnen gekeimt nach ca. 3-4 Tagen

Hier findest du ein Rezept mit den leckeren Mungbohnensprossen.

Durch ihren Reichtum an Nährstoffen, tragen Keime und Sprossen zur Aktivierung des gesamten Stoffwechsels bei, kräftigen das Immunsystem und unterstützen das Zellwachstum. So sind Keime und Sprossen vor allem in Zeiten hoher Beanspruchung und im Winter oder Frühling, wenn es nicht viel frisches Gemüse gibt, eine wertvolle Energiequelle mit hochwertigem Eiweiß und vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Gleichzeitig liefern die Keimlinge eine Vielzahl an Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen. Power durch und durch also!

Aber wie geht das überhaupt und was brauche ich dafür?

Du brauchst:

  • ein Keimglas (meins ist das hier) –
  • Samen, Getreidekörner, Hülsenfrüchte nach deiner Wahl (problemlos keimende Samensorten sind zum Beispiel Mungbohnen, Linsen, Kresse, Leinsamen oder Radieschen)
  • Wasser
mein Sprossenglas

Das ist dein absolutes Basis-Set. Es gibt natürlich auch noch mehrstöckige Keimgeräte oder noch spacigere Dinge. Wenn du Kresse oder Rucola (also sehr kleine Saaten) ziehen willst, reicht sogar ein Untersetzer/Teller oder Blumentöpfe aus Ton. Solche unglasierten Tongefäße, die vor dem Keimen einige Zeit in Wasser getaucht werden, speichern dieses und geben es dann langsam ab, was ein für die Sprossen wichtiges feuchtes Klima ermöglicht (dann täglich anfeuchten).

Wenn du dir kein Keimglas kaufen willst, dann nimm einfach ein altes Gurkenglas, koche es aus und bedecke es mit einem sauberen Netz/Tuch, das mit einem Gummiring befestigt wird.

Das Prinzip ist überall dasselbe: die Saaten sollen feucht bleiben, aber nicht im Wasser stehen (sonst schimmeln sie). Die Luft muss zirkulieren können.

Und jetzt geht’s los:

Die keimfähigen Samen (aus Bio-Anbau, z.B. von Sonnentor oder schaut mal im Microgreens Shop vorbei) gründlich mit kaltem Wasser durchspülen, ins Glas geben, mit Wasser bedecken und je nach Samenart vier bis zwölf Stunden (am besten über Nacht) einweichen. Sehr kleine Samen, wie Kresse oder Rucola brauchst du nicht einweichen und kannst sie direkt auf ein Küchentuch auf deinen Tonuntersetzer legen (da geht’s nach dem nächsten Absatz weiter). Bei großen Bohnen bitte beachten: mindestens eine Minute in kochendem Wasser überbrühen, da sie dann besser verträglich sind und garantiert alle natürlichen Toxine der rohen Bohne deaktiviert werden. Alle anderen Sprossen und Samen können roh verzehrt werden.

Nach dem Einweichen das Wasser abgießen, nochmals gründlich durchspülen und ab nun während der Keimzeit, die Sprossen mehrmals (mindestens zwei mal täglich) mit kaltem Wasser abspülen, gut abtropfen lassen und wieder zum Keimen aufstellen. Ein heller Platz ohne direkte Sonne ist für das Keimen ideal.

Manche Samen wie beispielsweise Kresse, Rucola oder Leinsamen erzeugen viel Schleim, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. In diesem Fall empfiehlt es sich, ein feuchtes Tuch/Küchenrolle auf einen Teller zu legen und die eingeweichten Keimsaaten auf diesem Tuch gleichmäßig zu verteilen. Der Keimvorgang wird beschleunigt, wenn man den Untersetzer mit den Keimsaaten in einen mit Löchern versehenen Plastiksack gibt (schützt auch vor dem Austrocknen). Mit einer Sprühflasche kannst du die Keime dann oft (mindestens 2x täglich) ausgiebig besprühen. Dabei schau aber, dass das Wasser abrinnen kann und kein abgestandenes Wasser die Keime umgibt (sonst Schimmel!). Das Keimgut sollte zuerst durch den Schleim, später durch die Wurzeln an der Küchenrolle/Stoff haften, also keine Angst, dass du es wegspülst (vorausgesetzt das Keimgut wird nicht zu dick aufgetragen).

Kresse auf feuchtem Untergrund

Wie lange dauert es bis sie fertig sind?

Die Keimzeit dauert 2 bis 6 Tage (je nach Samen), die Keimlinge können schon früher geerntet werden, sobald der Sprossentrieb die Länge des Samens erreicht hat. Von da an kannst du jeden Tag ernten und die Sprossen mit unterschiedlicher Keimzeit verkosten. So hast du mehrere Tage frische Vitamine, Spurenelemente, Enzyme und viele andere Nährstoffe zur Verfügung.

Wenn die Samen zu lange keimen, werden sie grobfasrig und ev. bitter. Du kannst deshalb die fertigen Sprossen/Keime in einem Glas mit Deckel (oder auch Plastikbox) im Kühlschrank aufbewahren. So wird der Keimprozess gestoppt. Im Kühlschrank kannst du die Sprossen noch ca. 4 bis 5 Tage aufbewahren. Wichtig: ein Stück Küchenrolle mit einlegen, das reguliert die Feuchtigkeit und verhindert so frühzeitige Fäulnis!

So, jetzt weißt du wie’s geht, bleibt nur noch eins:

Wie kann man sie verwenden?

Keime und Sprossen sind geschmacklich ein Erlebnis. Alle Sorten haben gemeinsam, dass sie knackig sind. Sie variieren von scharf, bitter bis süßlich. Probier möglichst viele verschiedene Samen zu keimen und finde so deinen persönlichen Lieblingskeim. Je mehr du variierst, desto mehr trägst du mit den verschiedenen Inhaltsstoffen zu deiner Gesundheit und deinem Wohlbefinden bei.

Die Keimlinge kannst du über Salate, Vor- und Hauptspeisen streuen, auf Brot mit Butter/Margarine oder Aufstrichen reichen und sogar zu Nachspeisen passen die Sprossen gut. Wenn du sie trocknest, röstest und zu Mehl mahlst, kannst du sie sogar für die Herstellung von Brot und Gebäck nutzen.

Hier ein paar meiner Ideen zur Sprossenverwendung:

Lass dir diese gesunden „Nährstoffbomben“ nicht entgehen. Günstig, schmackhaft und mit ganz wenig Arbeitsaufwand verbunden – so simpel kann gesundes Essen funktionieren!

Für Kinder aber auch für Erwachsene kann das Keimen von Getreidekörnern, Samen und Hülsenfrüchten eine Möglichkeit sein, die Entstehung und das Wachstum von Pflanzen zu beobachten. Das ist so spannend, weil sich innerhalb kurzer Zeit aus einem scheinbar leblosen Kern oder Samen ein zarter Spross entwickelt, der sich kraftvoll seinen Weg ins Freie bahnt. Wenn du deine Kinder in die Keimaufzucht einbindest oder ihnen vielleicht sogar Verantwortung für das tägliche Spülen überträgst und sie mit ihren Keimlingen einen Teil zu den gemeinsamen Mahlzeiten beitragen können, begeistern und interessieren sie sich auch mehr für gesunde Ernährung.

Möchtest du mehr über Kinder & gesunde Ernährung wissen? Dann komm vorbei am 27.06.2019, 18.30 Uhr zu meinem Vortrag in die Gesundheits-Werkstatt Gramatneusiedl.

Viel Spaß beim Keimen!

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